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Aktuell

06.08.2009

Auch Haustiere sind Opfer der Wirtschaftskrise - Aussetzen ist keine Lösung

Urlaubszeit ist Reisezeit, viele Hunde werden einfach am Rastplatz ausgesetzt

Jedes Jahr werden ca. 500.000 Haustiere ausgesetzt – allein in Deutschland, die Zahl steigt im Vergleich zu den letzten Jahren im Zuge der Wirtschaftskrise rasant an. Fast drei Viertel der an Tierheime abgegebenen Tiere werden mit der Begründung „finanzielle Not“ den Tierschützern überlassen. Dabei platzen viele der Tierheime mittlerweile aus allen Nähten. Der Deutsche Tierhilfe Verband gibt Ihnen Tipps, wie Sie trotz Wirtschaftkrise gut für Ihr Haustier sorgen können, was zu tun ist, wenn man ein ausgesetztes Tier findet und welche Dinge man beachten sollte, wenn man sich ein Haustier anschaffen möchte.

Angesichts stetig steigender Zugänge bei gleichzeitig sinkenden Einnahmen sehen sich viele der deutschlandweit ca. 750 Tierheime in einem Teufelskreis.
Die Spendenbereitschaft ist durch die Wirtschaftskrise auf dem Tiefpunkt, doch gerade jetzt geben aus Geldnot immer mehr Menschen ihre Tiere ab. Bei der Abgabe von fast 70 % aller Tiere im Tierheim wird Geldnot als Grund angegeben, sogar 85 % der abgegebenen Hunde kommen mit dieser Begründung ins Heim. Tierschützer beklagen hingegen die schlechte finanzielle Ausstattung von Tierheimen, es ist immer weniger Geld für Futter, Reinigung und Operationen vorhanden.

Hartz IV für Hunde gibt es nicht, die Tiertafel hilft aber mit Futter (www.tiertafel.de)
Für viele Bürger bestimmt mittlerweile Hartz IV den Alltag; wenn das Amt den Unterhalt übernimmt, sind Haustiere oft die ersten Opfer. Denn Tierhaltung spielt für deutsche Behörden nur eine untergeordnete Rolle; für die Bemessung von Sozialleistungen bleibt sie gänzlich unberücksichtigt. Hartz IV für Haustiere gibt es nicht. Dies kann etwa dazu führen, dass sozial schwache Mieter in kleinere Wohnungen gedrängt werden, in die sie ihre Tiere nicht mitnehmen dürfen. Für die Beibehaltung einer Wohnung sind sie aber keine anerkannte Begründung. Viele Tiere landen oft im Tierheim oder werden gar ausgesetzt. Gerade für ältere oder sozial schwache Menschen sind ihre Haustiere oft der einzige Freund, durch einen Verlust des Tieres würde für sie eine Welt zusammenbrechen.

Leider werden oft auch Katzen einfach ausgesetzt, viele Besitzer meinen sogar, sie würden ihrem Tier damit einen Gefallen tun
Weil viele Tierheime für die Aufnahme eines Abgabetieres eine Gebühr verlangen (müssen), werden Tiere mit unterschiedlichen Intentionen immer wieder auch einfach ausgesetzt und sich selbst überlassen. Einige Tierbesitzer sind sich der Folgen ihrer Handlung für das hilflose Tier offensichtlich wohl bewusst und setzen es in der Nähe eines Tierheims aus, stellen es in einer Kiste oft sogar vor die Tür. Andere Menschen vertrauen wohl auf die Hilfsbereitschaft ihrer Mitbürger, wenn sie etwa Hunde an Autobahnraststätten einfach anbinden und davonbrausen. Katzenhalter, die ihren Stubentiger einfach im Wald aussetzen, glauben teilweise sogar, sie tun etwas Gutes. Die meisten jedoch denken über ihr Verhalten offenbar kaum oder gar nicht nach und entsorgen die Tiere im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur, weil es ab in den Urlaub geht, in dem das Tier nur stören würde. Ausgesetzte Tiere leiden, sie verstehen die Situation nicht und warten völlig verstört oft bis zu ihrem Tod auf die Rückkehr „ihres“ Menschen. Letztlich kommen die vielgeliebten Haustiere in der freien Wildbahn gar nicht zurecht, denn eigenes Futter jagen kennen sie oft nicht (mehr) bzw. können es nicht. Ausgesetzte Haustiere sterben meist.

Wer Tiere aussetzt,
macht sich strafbar

Trotzdem ist es eine traurige Tradition: Jedes Jahr in den Sommermonaten häufen sich seit Jahren schon die Funde von ausgesetzten Tieren, wenn ihre Besitzer sie nicht in den Urlaub mitnehmen können oder wollen.
Durch die wirtschaftlich prekäre Lage vieler Haushalte wird dieses Phänomen noch verstärkt, die Zahl der ausgesetzten Tiere liegt 2009 wesentlich höher als
in den Vergleichsmonaten der letzten Jahre.

Nach § 18 des Tierschutzgesetzes kann das Aussetzen oder Zurücklassen eines Haustieres (etwa beim Umzug) mit Haft oder einer Geldbuße von bis zu 25.000,00 € geahndet werden. Tiere Aussetzen ist verboten.

Was tun, wenn ich ein ausgesetztes Tier finde?
Ruhe bewahren. Wie bei einem Unfall gilt: keine Gefahr eingehen. Auch ein harmlos aussehender Hund kann durch die für ihn unverständliche Situation unerwartet reagieren; oftmals sind ausgesetzte Tiere zudem völlig dehydriert und ausgehungert. Nur nähern, wenn man sich völlig sicher ist, die Situation im Griff zu haben. Tiere nicht einfach mitnehmen, sondern die Polizei, Feuerwehr oder/und ein örtliches Tierheim informieren. Die Feuerwehr ist verpflichtet, sich um aufgefundene, ausgesetzte Tiere zu kümmern! Wenn man einen Verdacht hat, wem das Tier gehört oder wer es ausgesetzt haben könnte, sollte dies der Polizei mitgeteilt werden, sie wird den Fall untersuchen. Wer ein Tier aussetzt, macht sich strafbar. Bitte melden Sie einen Tierfund auch bei Tasso (24‑Stunden-Hotline: 06190-937300, www.tiernotruf.org). Tasso führt eine bundesweite Datenbank mit vermissten Hunden und Katzen, bei dem (vermeintlich) ausgesetzten Tier könnte es sich ggf. auch um ein gesuchtes Tier handeln.

Die Verzweiflung, die oft der Grund für das Aufgeben eines Tieres ist, ist jedoch in einigen Fällen unbegründet, denn es gibt Alternativen. Aus Angst um die eigene Existenz geraten viele Betroffene in einen Tunnel, der sie in ihrer Sicht einschränkt oder diese versperrt.

Es gibt Hilfe bei finanzeller Not:
Viele Tierheime bieten eine vorübergehende Inobhutnahme des Haustieres an, solange sich sein Halter nicht selbständig um das Tier kümmern kann, so etwa während einer Umzugsphase. Gerade in Tierarztpraxen hängen Anzeigen von Tiersittern aus, die sich zum Beispiel während eines Urlaubes um fremde Haustiere kümmern. Wenn ein Tierhalter die Futterkosten für sein Tier alleine nicht mehr bestreiten kann, hat er die Möglichkeit, sich an eine der etwa ein Dutzend Tiertafeln (www.tiertafel.de) zu wenden, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen . Die bundesweite Tiertafel hilft mit Futter.

Für die meisten Tierhalter ist ein
Hund oder eine Katze eine Bereicherung und zugleich ein
guter Freund
Wenn ein Haustier, ob aus Geld- oder Zeitnot oder anderen Gründen, eine Familie wieder verlassen muss, dann muss seine Würde gewahrt und nach einem neuen Zuhause gesucht werden. Ein offener und konstruktiver Umgang mit einer scheinbar schwer zu lösenden Situation ist der richtige Weg und sollte immer zu einer für alle Beteiligten bestmöglichen Lösung des Konflikts führen. Die Übernahme von Verantwortung beginnt jedoch lange vor der Anschaffung eines Tieres mit der Frage, ob die Verantwortung für ein Lebewesen überhaupt mit dem eigenen Lebensstil verträglich ist.

Sollte das Ergebnis sein, dass mangels Zeit oder Geld das Wohlergehen des Tieres nicht gewährleistet werden kann, dann ist der Verzicht auf ein Haustier kein Eingeständnis von Schwäche, sondern ein Zeichen der Charakterstärke.

Besonders für Alleinstehende, alte oder einsame Menschen kann ein Haustier eine enorme Bereicherung des Alltags sein. Gerade hier jedoch ist die Verantwortung für das Tier besonders hoch. Sollte nicht sichergestellt werden können, dass unter allen Umständen für das Tier gesorgt werden kann, dann sollte von einer Anschaffung abgesehen werden.

Was muss geklärt werden, bevor ich mir ein Haustier anschaffe?
Kann ich sicherstellen, dass ich für das Wohlergehen des Tieres sorgen kann? Ist eine regelmäßige tierärztliche Betreuung möglich? Kann ich den Unterhalt für ein Tier zusätzlich finanzieren? Ein Hund oder eine Katze kostet etwa 50 - 60 € im Monat, Operationen oder andere Behandlungen können teuer sein – die Kastration einer Katze kostet 100 - 150 €. Wer kümmert sich um das Tier, wenn ich in den Urlaub fahre? Oder kommt es mit? Die Anschaffung eines Tieres sollte nie eine Spontan-„Tat“ sein, im Vorfeld muss geklärt werden, ob bei einem Familienangehörigen eine Allergie gegen Tierhaare vorliegt und ob es im Mietvertrag eine Haustierregelung gibt.

In bundesweit mehr als 500 Tierheimen warten Hunde auf ein neues Zuhause
Für Unentschlossene:

Fast alle Tierheime bieten so genannte Gassi-Tage oder Streicheltage an, hier kann sich der potenzielle neue Tierhalter einen ersten Eindruck von einem Hund oder einer Katze verschaffen.






Vorsicht vor Tierhändlern und -züchtern
Sollte man sich nach reiflicher Überlegung für die Anschaffung eines Tiers entschieden haben, dann sollte unbedingt ein Tierheim ausgesucht werden. Tierhändler und -züchter (vor allem aus dem Internet) sind mit Vorsicht zu genießen, ihnen geht es meist nur um den schnellen Verkauf eines Tiers, anders als im Tierheim. Siehe auch den DTV-Artikel zum Thema >Der skrupellose Welpenhandel

Zahlen und Fakten:
Aktuelle Zahlen der Haustiere in Deutschland
5,3 Millionen Hunde
7,6 Millionen Katzen
5,7 Millionen Kaninchen, Meerschweinchen und Hamster
5 Millionen Ziervögel
80 Millionen Vögel
(Stand 2008)

7,6 Millionen Katzen leben in Deutschland


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